Gefährliche Liebschaften
von Christopher Hampton
Schauspiel nach dem Roman von Pierre-Ambroise-Francois Choderlos de Laclos, Deutsch von Alissa und Martin Walser
Regie: Barbara Neureiter
Ausstattung: Dorit Lievenbrück
Eine Produktion der Burgfestspiele Bad Vilbel
Ensemble: Heike Trinker, Anna Eger, Marina Matthias, Ivana Langmajer, Ellen Schulz, Thomas Gerber, Andy Konrad
Die Handlung findet statt in verschiedenen Salons und Schlafzimmern in Stadthäusern und Schlössern in und um Paris; und im Bois de Vincennes, in einem Herbst und Winter in den 1780ern.
"Liebe muss man benutzen, man verfällt ihr nicht."
Zwischen der Marquise de Merteuil und dem Vicomte de Valmont scheint die Liebe, die sie einst füreinander empfanden, erloschen. Geblieben ist ihnen die Lust am riskanten Spiel um Leidenschaft und Begehren, geführt mit psychologischem Kalkül und formvollendeten Intrigen. Das Spiel um das Verlangen nach überlegener Macht über andere Menschen, treibt die Opfer ihrer gefährlichen Manipulationen in ausweglose Situationen; die bösartigen Regisseure selbst scheitern letztlich am eigenen Unvermögen, sich ihrer Sehnsucht nach Verschmelzung zu stellen.
Das Spiel beginnt.
Verletzte Eitelkeit - die Marquise will Rache nehmen an ihrem ehemaligen Liebhaber Gercourt. Der möchte die junge Klosterschülerin Cécile de Volanges mit dem Segen von Madame de Volanges heiraten. Perfekt gibt die Merteuil die ältere, tugendsame Freundin Céciles und überredet das naive Mädchen, dem schwärmerischen Chevalier Danceny Liebesbriefe zu schreiben. Selbstverständlich sorgt sie für deren Entdeckung und die Verschickung des Mädchens aufs Land. Sie selbst verführt Danceny und animiert ihren Mitspieler, den Vicomte de Valmont, mit dem Versprechen einer letzten gemeinsamen Liebesnacht dazu, das unschuldige Mädchen zu verführen.
Valmont jedoch hat sich gerade ein neues Spielfeld gesucht; er fühlt sich dazu berufen, der zurückhaltenden und sittsamen Madame de Tourvel die leidenschaftliche Liebe zu lehren. Der reichlich lädierte Ruf des Vicomte ist zwar über Madame de Volanges vorgedrungen, doch reizt das wahrhafte Widerstreben der Tourvel Valmont umso mehr. Geschickt die Arglosigkeit nutzend, gewinnt er ihre hingebungsvolle Liebe. Madame de Merteuil muss feststellen, dass Valmont sich tatsächlich in Madame de Tourvel verliebt hat und verlangt von ihm, die Beziehung zu beenden. Als der Egomaniker seine Liebe leugnet, bricht Madame de Tourvel zusammen. Bevor Valmont bei einem Duell mit Danceny ums Leben kommt, erkennt er den Betrug. Die Merteuil hat einen zerstörerischen Sieg errungen.
Chistopher Hamptons Adaption für die Bühne konzentriert sich auf die Handlungselemente und bringt die beiden zentralen Briefpartner Valmont und Merteuil, die sich in Laclos' Roman nur ein einziges Mal treffen, in mehreren Begegnungen gemeinsam auf die Bühne. Dabei gibt Hampton in seinen Regieanweisungen klare Hinweise, mit welchen Empfindungen die Figuren auf der Bühne Briefe verfassen und empfangen. Körperzeichen in Mimik, Gestik und Bewegungen sprechen "wahr", während die Rede durchaus falsch oder zweideutig sein kann.
Christine Kiebuzinska 1993
Christopher Hampton wurde 1946 auf den Azoren geboren. Er zählt mit seinen Bearbeitungen, Übersetzungen und Stücken, darunter Der Menschenfeind und Gefährliche Liebschaften, zu den wichtigsten britischen Theaterautoren. Außerdem hat er zahlreiche Drehbücher geschrieben (u.a. für Der stille Amerikaner) und einige Filme inszeniert (u.a. Carrington).