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Jedermann

Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes von Hugo von Hofmannsthal

Do. 2.8.2007, 20 Uhr
Fr. 3.8.2007, 20 Uhr
Sa. 4.8.2007, 20 Uhr

Rheinisches Landestheater Neuss

Den Jedermann-Stoff, der das Thema von der Hinfälligkeit der irdischen Besitztümer und der Heilsnotwendigkeit der Buße mit der Parabel vom Freund in der Not verbindet, fand Hofmannsthal in einer englischen Bearbeitung. Mit seiner Bearbeitung wollte der Dramatiker, wie er in seinen Aufsätzen Das alte Spiel von Jedermann (1911) und Das Spiel vor der Menge (1911) festhielt, die alte "Geschichte von Jedermanns Ladung vor Gottes Richtstuhl", die er als zeitloses, allgemein menschliches und daher "nicht einmal mit dem christlichem Drama unlöslich" verbundenes ‚Märchen' auffasste, dem toten Wasser des gelehrten Besitzstandes" entreißen. Berühmt wurde das Stück vor allem durch die Salzburger Festspiele, die am 22. August. 1920 mit seiner Aufführung auf dem Domplatz der Stadt eröffnet wurden.

Dieses Stück muss mit seinem Nimbus zurechtkommen, den ihm sein Autor Hugo von Hofmannsthal und sein idealer Regisseur Max Reinhardt zugedacht haben, und mit seinem Image als Tourismus-Event. Das Stück wurde 1911 in Berlin uraufgeführt, hat aber erst mit Gründung der Salzburger Festspiele durch Max Reinhardt vor der Salzburger Kollegienkirche den idealen Aufführungsplatz gefunden. Hofmannsthal schrieb eine moderne, neuzeitliche Version der alten Passions- und Mysterienspiele, die im Ausgang des Mittelalters besonders im süddeutschen Sprachraum entstanden waren. Zunächst im Kirchenraum aufgeführt, erzählten diese Stücke die wichtigen Ereignisse der Bibel nicht mehr im unverständlichen Latein, sondern in der Landessprache, oft auch im jeweiligen Dialekt. Je griffiger und theatralischer diese Darbietungen allmählich wurden (z.B. durch drastische Darstellungen des Teufels), umso eher verbot die Kirche das Spiel im Kirchenraum. Daher der Auszug auf die Treppe vor der Kirche, den Ort, den Reinhardt konsequenterweise in Salzburg ebenfalls wählte.

"Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes" - so lautet der Untertitel. Die Figuren in diesem Spiel sind nicht die psychologisch fein abgestuften und realistischen Charaktere des Theaters, wie wir es von Hauptmann, Tschechow, Strindberg oder Ibsen kennen. Hier heißen die Figuren "Mammon", "Glaube", oder "Werke": Allegorien auf Kräfte, die den Menschen an der Hand nehmen, ihn leiten oder ins Verderben stürzen: Gott und Teufel. Das Ende hat der Tod in der Hand, der das Flehen des Jedermann erhört und ihm noch eine Stunde Zeit gibt. Alle Freunde haben ihn verlassen, denn bei einem Reichen bleibt man nur, solange er reich ist. Diese Stunde, rät der Tod dem Jedermann, sei dazu da, um endlich die Rechnung zu machen mit seinem Leben, wenn es ans Sterben geht - eine Angelegenheit, um die sich Jedermann während seines luxuriösen Lebens nicht gekümmert hat. Und da hat dann auch Jedermanns Mutter ihren sinnvollen Auftritt: geplagt von Gewissenbissen und Selbstvorwürfen kann er sich mit ihr aussöhnen. Zum Schluss gelingt es dem Glauben und Gott, den Teufel zu überlisten: Jedermanns Seele gehört in den Himmel. Und (zumindest in Salzburg) läuten die Glocken.